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Startseite InTeam Interviews 04·05·2008: Jennifer Zietz „Wir können uns nicht immer hinter der „jungen Mannschaft“ verstecken“
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04 · 05 · 2008 | 11:31 Uhr

„Wir können uns nicht immer hinter der „jungen Mannschaft“ verstecken“

Mannschaftskapitänin Jennifer Zietz im Exklusiv-Interview

Von Nadine Bieneck

„Wir können uns nicht immer hinter der „jungen Mannschaft“ verstecken“
Turbines Spielführerin Jennifer Zietz.
Foto: Jan Kuppert
In unserem heutigen Interview gibt Turbines Kapitän Jennifer Zietz eine erste Zwischenbilanz über den bisherigen Rückrunden-Verlauf ab. Außerdem erklärt sie, warum sie sich auf den heutigen Gegner VfL Wolfsburg ganz besonders freut und sich demnächst auf Wohnungssuche begibt.

Ich bin schon ein bisschen enttäuscht.

Nach den ersten vier Spielen der Rückrunde steht eine durchwachsene Bilanz zu Buche, zuletzt gab es eine Niederlage beim SC 07 Bad Neuenahr. Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Rückrundenverlauf ?
Jenny Zietz:
Naja, zufrieden bin ich damit natürlich nicht, auch spielerisch nicht. Ehrlich gesagt bin ich sogar ein bisschen enttäuscht. Wir wollten noch einmal richtig angreifen, uns auf jeden Fall den zweiten Tabellenplatz sichern. Immerhin besteht die Chance, dass der 1. FFC Frankfurt sowohl den UEFA-Cup als auch die Meisterschaft gewinnt und sich damit automatisch der Tabellenzweite ebenfalls für die nächste Europapokal-Saison qualifiziert. Wir wissen doch, wie geil es ist, international zu spielen und werden uns vermutlich noch tierisch ärgern, wenn wir durch unser Unvermögen am Ende den zweiten Platz fahrlässig verspielt haben.
Besonders ärgerlich ist es, dass wir so „einfache“ Spiele wie gegen den SC Freiburg, wo wir mit den drei Punkten gerechnet haben, nicht reißen konnten. Da fehlte uns einfach der absolute Siegeswille, wobei ich niemandem vorwerfe, nicht gekämpft zu haben. Wir reißen uns wirklich bis zur 90. Minute den Arsch auf und eine kämpft für die andere. Hier hat sich die Mannschaft im Saisonverlauf gut weiterentwickelt, anfangs hat viel zu oft jeder noch sein eigenes Ding gemacht. Das haben wir auch mannschaftsintern besprochen. Es kann nicht darum gehen, dass jeder die Verantwortung auf eine andere abschiebt, sondern wir müssen alle an einem Strang ziehen. Inzwischen läuft das viel besser. Da tut es natürlich weh, wenn es am Ende trotzdem nicht reicht, gerade auch in den Heimspielen. Das „Karli“ ist unser Stadion, hier sind wir zu Hause und fühlen uns wohl. Ich kann wirklich nicht erklären, warum wir die „Heimspiele nicht ziehen“, wie Schrödi immer sagt. Gerade zu Hause sind wir es den Fans doch schuldig, gute Spiele zu zeigen.

Wir müssen uns über die gesamten 90 Minuten konzentrieren...

Und trotzdem war es in der bisherigen Saison so, dass wir auswärts immer besser gespielt haben als zu Hause. Ich hab wirklich keine Ahnung, warum das so ist.

Auch im letzten Punktspiel, gegen den SC 07 Bad Neuenahr, habt ihr eine ansprechende Leistung gezeigt, am Ende aber verloren…
Jenny Zietz:
… ja, wir hätten bereits in der ersten Halbzeit alles klar machen müssen. Wir haben einfach unsere Chancen nicht genutzt. Neuenahr hat nicht wirklich gut gespielt, stand aber hinten sehr kompakt. Damit haben wir uns schwer getan und einfach kein Mittel gegen diese dichte Defensive gefunden.

Was auffällt ist, dass ihr euch gegen die Kellerkinder der Liga stets sehr schwer tut, wie kürzlich gegen den abstiegsbedrohten SC Freiburg.
Jenny Zietz:
Naja, diese Spiele sind immer besonders schwer, denn der Gegner steht mit dem Rücken zur Wand und geht mit einer dementsprechenden Motivation zu Werke. Wenn er sich dann noch hinten reinstellt und destruktiv spielt, tun wir uns damit wirklich schwer. Ich habe oft auch Dispute über die Frage, ob es nicht eine Kopfsache sei und wir die schwächeren Mannschaften einfach unterschätzen. Das sehe ich nicht so. Ich persönlich weiß genau, dass man bei solchen Spielen ganz besonders konzentriert sein muss. Für die Teams, die unten im Keller stehen, geht es um alles, da entwickelt man schon mal überdurchschnittliche Kräfte. Vielleicht ist es ja bei einigen auch wirklich eine Kopfsache, dann aber glaube ich - eher unbewusst.

Heute geht es gegen den VfL Wolfsburg, der momentan auf dem sechsten Tabellenplatz steht.
Jenny Zietz:
Wolfsburg hat bislang genau so eine unkonstante Saison gespielt wie wir. Die haben einige richtig gute Spiele gemacht, wie die Unentschieden gegen Frankfurt und Duisburg in der Hinrunde, sind aber kürzlich auch mit 0:6 in Frankfurt untergegangen. Die Mannschaft ist also schwierig einzuschätzen, gerade deshalb werden wir sie auch keinesfalls unterschätzen. Was wir wissen ist, dass Wolfsburg sehr kampfstark und kompakt spielt. Allerdings möchten wir uns gar nicht groß mit den Stärken des Gegners befassen, denn unser Anspruch muss es sein, als Sieger vom Platz zu gehen und unser Spiel durchzubringen, der Begegnung unseren Stempel aufzudrücken. Wir wollen den dritten Tabellenrang festigen und weiter nach oben gucken. Wir haben die letzten drei Wochen wirklich sehr hart trainiert. Nun müssen wir unseren Vorteil im konditionellen Bereich, über die gesamten 90 Minuten Druck machen und unser Powerplay abspielen zu können, auch abrufen. Das gilt übrigens für jedes Spiel.

Mit Britta Carlson, Navina Omilade, Juliane Höfler und Annelie Brendel wird es auch ein Wiedersehen mit zahlreichen altbekannten Gesicherten geben…
Jenny Zietz:
… wobei die Freundschaft während der 90 Minuten natürlich ruht. Ich freue mich sehr darauf, Britta wiederzusehen. Wir haben uns während ihrer Zeit in Potsdam prima verstanden und sind gut befreundet. Britta ist an diesem Wochenende schon eher angereist, so konnten wir uns endlich mal wieder in aller Ruhe treffen und austauschen. Ich freue mich schon darauf, gegen sie zu spielen und hoffe natürlich auf das bessere Ende für uns (grinst).

Als nächstes steht dann bereits die Schlagerpartie gegen den 1. FFC Frankfurt an…
Jennifer Zietz:
Darauf freue ich mich schon riesig. Die Spiele gegen Frankfurt sind immer echte Highlights. Wir haben am Brentanobad immer gut ausgesehen, außerdem verbinde ich mit dem Stadion dort viele schöne Erinnerungen. Allerdings orientieren wir uns von Spiel zu Spiel, und da konzentrieren wir uns jetzt erst einmal voll und ganz auf die Partie gegen Wolfsburg. Wichtig ist, dass die Mannschaft und jede einzelne Spielerin den eigenen Ansprüchen gere

... und abrufen, was wir tagtäglich im Training einstudieren.

cht wird. Jeder will am Wochenende spielen, will zur Nationalmannschaft eingeladen werden und dergleichen. Dafür gilt es aber, umzusetzen, was wir im Training tagtäglich einstudieren. Es ist doch immer wieder das gleiche, was wir machen. Jedes Spiel fängt bei Null an, jedes Mal müssen wir das umsetzen, was wir uns im Training erarbeiten. Zu Beginn der Saison mussten sich die jungen Spielerinnen natürlich erst einmal an das Bundesliga-Tempo gewöhnen. Inzwischen sind wir aber ein ganzes Stück weiter und auch die Jüngeren wissen inzwischen, wie es läuft. Wir können uns ja auf Dauer nicht immer dahinter verstecken, dass wir so eine „junge Mannschaft“ sind.

Blicken wir neben Wolfsburg und Frankfurt noch ein Stück weiter voraus – mit Viola Odebrecht hat eine langjährige Ex-Turbine im Sommer ihre Rückkehr nach Potsdam angekündigt. Ihr habt bereits eure Schulzeit in Potsdam zusammen absolviert, euch bei Turbine gemeinsam zu Bundesliga- und Nationalspielerinnen entwickelt. Was sagst du zu Turbines erstem Neuzugang der Saison 2008/09?
Jenny Zietz:
Ganz klar, natürlich freue ich mich riesig über Violas Rückkehr. Uns verbindet sehr viel, immerhin kennen wir uns, seit wir mit 15 beide nach Potsdam wechselten. Viola ist in den letzten drei Jahren viel herumgekommen und hat Heimweh. Sie hat gemerkt, dass sie sich woanders nicht so zu Hause fühlt wie. Wir haben die letzten Jahre immer Kontakt gehalten und regelmäßig miteinander telefoniert und uns gesehen. Wir haben schon über ihren Umzug gesprochen, natürlich helfe ich ihr dabei, eine Wohnung zu finden und solche Sachen. Erleichtert bin ich auch, dass mir mit Violas Rückkehr in die Mannschaft auch ein wenig von der Last genommen wird, die nach Aris Weggang (Ariane Hingst/d.R.) auf mir lastete. Das Kreative ist einfach nicht so mein Ding, auch wenn ich finde, dass ich inzwischen schon ein bisschen da reingewachsen bin.

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